Maßnahmen für Mittelgebirge
“It is the adaptive capacity (not climate) that will determine the future of alpine (winter) tourism.” (Abegg, 2006)
- Technische Lösungen: künstliche Beschneiung am häufigsten (aber teuer, weißer Streifen ergibt komisches Landschaftsbild, schmilzt bei höheren Temperaturen)
- Eher höhere und nördliche Hänge nutzen
- Vierjahreszeitentourismus, Ausweitung auf Herbst und Frühling (z.B. bei Rundreisen, Wellness, Kulturreisen), dafür ein attraktives Image für die Destination (Jedoch nur geringer finanzieller Nutzen im Sommer) Beispiel Berner Oberland: Im Winter ergeben die Hochrechnungen beim Maximal-Szenario für das Berner Oberland Verluste von 22 Prozent gegenüber den Umsätzen von 2006, im Sommer rechnen die Experten allerdings mit einem zusätzlichen Umsatz von 7 Prozent, «da das Berner Oberland einen starken Sommertourismus hat». Trotzdem: Auch mit Investitionen in Anpassungsmassnahmen ist unter dem Strich im Jahr 2030 mit einem jährlichen Minus von 70 Millionen Schweizer Franken zu rechnen (FIF, 2007).
- Skitourismus auf wenige geeignete Wintersportzentren zu konzentrieren
- Skiunabhängigen Wintersportangeboten (z.B. Eislaufmöglichkeiten, Rodelbahn, Winterwanderwege, Eisstockbahnen, Loipen, Biathlon, Trimm-Parcours)
- Verändertes Image
- Flexible Preispolitik bei Skipässen (abhängig von according to the number of lifts operating)
- Sportangebote (geführte Wanderungen, Schlittschuh fahren, Mountainbiketouren, Fitness, Sauna, Golf, Squash, Reiten, Indoor-Tennis)
- Unternehmungen mit anderen Leuten (Spiele, Clubs, Tanzkurse, Weinverköstigung, Picknick, Nachtleben, Shoppen)
- Kulturangebote (Filme, Diaabende, Musikveranstaltungen, Konzerte, Kunstausstellung)
- Verbesserung der Serviceleistungen
- Plastikplanen gegen Gletscherschmelze (kostspielig, kann das Schmelzen nicht aufhalten)
- Versicherung, aber hilft auch nicht langfristig gegen die Schäden
- Stärkerer Lawinenschutz wird nötig Snow-Framing-Techniken, wie Snow-fencing, Schneetransport von schneereichen Lagen zu dünnen Stellen und Snow grooming (letzteres kann die minimale benötigte Schneedecke auf 10 bis 20 cm reduzieren; Probleme: keine Lösung bei Schneemangel, ökologische Probleme, Erosion und negative Auswirkungen auf den Ganzjahrestourismus, Einschränkungen der Landschaftsoptik)
- Ersetzen von T-Liften durch Sessellifte
- Aktivitäten für Nicht-Skifahrer: Das Hauptsegment der Nicht-Skifahrer beschreibt ihren Besuch in alpinen Resorts mit ihren Hauptaktivitäten “Sightseeing” und “um Schnee zu sehen”. In zwei untersuchten Skiresorts beschreiben mehr als ein Drittel der Besucher ihre Hauptaktivität als ?im Schnee spielen? oder Schneeschuh laufen, wofür man jedoch auch Schnee benötigt.
- Für gute Skifahrer: mehr Skilifte in höher gelegenen Gebieten, da diese sonst in andere Länder reisen werden
Quellen: Abegg, 1996; Behringer et al., 2000, Bürki, 2000, König, 1998, Schneider et al., 2005
Studien in Kanada/USA zeigen, dass diese Länder auf künstlichen Schnee als Adaptionsstrategie setzen (siehe z.B. Hamilton et al., 2003 oder Balazik, 2001).
Einige Adaptionsmaßnahmen sind zwar bei Fortschreiten einer Erwärmung nur von begrenzter Dauer, können aber für viele Jahre eine Überbrückungshilfe schaffen (vgl. Breiling & Charamza, 1997).
Beispiel Berner Oberland, Schweiz
Klimaszenarien wurden für das Berner Oberland im Jahr 2030 berechnet und hierzu Maßnahmenkataloge für verschiedene touristische Sektoren erarbeitet (Müller, 2007):
a) Maßnahmen für Bergbahnen und Skilehrer
- Gesamtkonzept zur Beschneiung erarbeiten
- Schneesicherheit mit Beschneiungsanlagen sichern
- Speicherseen für Wasservorräte ausbauen
- Pistenkorrekturen, um mit weniger Kompaktschnee produzieren zu müssen
- Skilifte durch bodenunabhängige Bahnen ersetzen
- Bahnkapazitäten erhöhen v. a. für Talabfahrten
- Skischulen in die Höhe verlegen
- Reaktion der Gäste beobachten
- Alternative Attraktionen & Aktivitäten ausbauen (insbes. Im Sommer)
b) Maßnahmen für Beherbergung, insbesondere Hotellerie
- Diversifikation und Branding auf Ebene der Destinationen und Betriebe verstärken
- Angebote differenzieren, Schnee und insbesondere Ski unabhängige Angebote ausbauen
- Marketing auf Stärken konzentrieren, «Sommerfrische» nutzen und bewerben
- Schneesicherheit ? sofern vorhanden ? vermehrt kommunizieren
- Wachsendes Sicherheitsbedürfnis der Gäste berücksichtigen, Gäste über Angebot, Schneeverhältnisse und Gefahren informieren
- Überzeugungsarbeit in Destinationen leisten
c) Maßnahmen für Outdoorveranstalter und Bergführer
- Saison ausweiten – Angebote in den Frühherbst übertragen Indoor-Attraktionen ausbauen ? Infrastrukturen anpassen
- Neue Sommerangebote schaffen: Trekking, Klettersteige, Begehung von Schluchten
- Auf andere Wintersportarten oder Aktivitäten ausweichen: Schneeschuhlaufen, Winterwandern etc.
- Neue Geschäftsfelder aufbauen: Sicherheitsarbeiten, Felsräumungen etc.
d) Maßnahmen für Tourismusorganisationen und Gemeindebehörden
- Angebot erweitern ? neue Attraktionen schaffen
- Aufwertung und Popularisierung der Sommersaison
- Künstliche Beschneiung unterstützen ? Investitionen in ?Wassersicherheit?
- Alle Leistungsträger bezüglich Klimaänderung sensibilisieren ? vorliegende Studie und ihre lokalen Konsequenzen diskutieren
- Gemeinsame Verminderungs- und Anpassungsstrategien erarbeiten
- Verhaltensänderungen der Gäste beobachten und berücksichtigen
- Gefährdeten Gebiete konsequent und systematisch beobachten ? Risikoanalyse durchführen ? Gefahrenkartierung laufend aktualisieren (agieren statt reagieren)
- Verkehrswege schützen
- Krisen resp. Katastrophenmanagement aufziehen und optimieren – Krisenhandbuch erarbeiten
- Kommunikation professionalisieren ? Kommunikationsstrategie erarbeiten
- Aufgabenteilung zwischen Gemeinde und Tourismusorganisation klären